Schulpflicht und Bildungsfreiheit in Europa

schoolSchulpflicht in Deutschland wird oftmals mit dem Schulbesuchszwang gleichgesetzt und wird allgemein als große demokratische Errungenschaft betrachtet. Sie soll dafür sorgen, dass jeder freien Zugang zu Bildung hat, ungeachtet seiner Herkunft, Status, Religion, oder finanzielle Lage. Allerdings zeigt ein vergleichender Blick auf andere europäische Länder, dass man die Schul- oder Bildungspflicht unterschiedlich handhaben kann, zum Vor-, oder Nachteil der SchülerInnen.

Schulpflicht vs Bildungsfreiheit

Die Schul- oder Bildungspflicht existiert in allen europäischen Ländern und meint damit aber die staatliche Verantwortung für Schulbildung. Dies bedeutet also, dass der Staat sich verpflichtet, für ein gewisses Maß an Minimalbildung zu sorgen, weshalb er ein flächendeckendes, differenziertes Schulsystem betreibt. Die Dauer dieser Bildungspflicht ist in den einzelnen europäischen Staaten unterschiedlich geregelt und schwankt zwischen acht und 13 Jahren. Dies ergibt sich aus dem Einschulungsalter zwischen dem 4. bis zum 7. Lebensjahr und dem Ende der staatlichen Verantwortung zwischen dem 14. und 18. Lebensjahr.
Bildungsfreiheit hingegen, verstanden als das Recht der Eltern, die Bildung ihrer Schüler frei wählen zu können, ist in vielen europäischen Ländern unbekannt. In den meisten Ländern müssen die SchülerInnen ihre Bildung in einem entsprechenden Schulgebäude empfangen. In Dänemark, Norwegen, Finnland, Österreich und dem Vereingten Königreich hingegen müssen die Eltern für entsprechende Bildung ihrer Kinder sorgen, die aber nicht in einem Schulgebäude stattfinden muss. Es gibt zwar europaweit das Recht auf Privatschulen, allerdings fällt die staatliche Unterstützung sehr unterschiedlich aus. Trotzdem sind in Frankreich etwa 20% der Schulen in privater Hand, in Großbritannien 25% und in den Niederlanden sogar 75%. In Deutschland gäbe es außerdem die Möglichkeit sein Kind auf ein Internat zu schicken.

Homeschooling

Es gibt aber auch Bildungsalternativen zum konventionellen Schulbesuch, beispielsweise das sogenannte Homeschooling, bei dem die Kinder zu Hause unterrichtet werden. Dieses Bildungsmodell ist in fast allen europäischen Staaten erlaubt, bzw. unter Auflagen möglich. In Deutschland hingegen ist es aufgrund des Bestehens der Schulbesuchspflicht nur in schweren Ausnahmefällen möglich.
Generell gibt es in den Staaten der EU vier Arten, wie aktuell mit Homeschooling umgegangen wird. Deutschland ist das einzige Land, in dem schulpflichtig als Schulanwesenheitszwang verstanden wird, in dem die Schulzeit der staatlichen Aufsicht unterliegt und in dem Homeschooling nur in Extremsituationen, wie etwa bei Diplomatenkindern im Ausland, oder bei schwerer Krankheit, möglich ist.
Großbritannien wäre hier das Gegenbeispiel, in dem der Staat weder durch Kontrolle, noch durch Auflagen in die Bildung der Kinder eingreift. Homeschooling ist hier also ohne Weiteres möglich.
In Irland, Spanien, den Niederlanden, Dänemark, Italien und Bulgarien wird die freie Wahl der Bildung gewährt. Homeschooling kann bei der Einschulung mit einmaliger behördlicher Anmeldung verbunden sein, bzw. mit dem Erbringen eines Nachweises über die fachlichen Kenntnisse der Eltern.
In den anderen Staaten der EU ist die freie Wahl der Bildung leicht eingeschränkt. Homeschooling ist unter bestimmten Auflagen möglich, wobei der Bildungsstandard der Kinder durch Inspektionen überprüft wird.

Situation in DeutschlandGirl drawing back to school

In Deutschland steht das Erziehungsrecht von Eltern und Staat auf einer Stufe, im Schulwesen allerdings wird dem Staat Vorrang gegeben. Hier können die Eltern laut Schulgesetz lediglich über den Besuch des Religionsunterrichts bestimmen, alles andere liegt in der Hand des Staates. Das deutsche Schulwesen wurde auch bereits vor UN-Menschenrechtskommission angeklagt, bislang allerdings ohne Ergebnis.
Die Abwesenheit deutscher SchülerInnen kann durch verschiedenste Maßnahmen, wie etwa mit Zwangsgeldern, Sorgerechtsdrohungen, oder Zwangshaft, sanktioniert werden. Hier wird von immer mehreren Seiten ein Umdenken gefordert und möglicherweise geht die Initiative hier von den einzelnen Ländern aus.

Fürs Leben lernen geht nicht ohne Schule (Schulpflicht und Elternrecht)

Die Idee von der Schulpflichtbefreiung ist so alt, wie das Gesetz zur Schulpflicht selbst. Geht es nach den Köpfen vieler Eltern, sollen die eigenen Kinder im organisierten Heimunterricht – dem sogenannten Homeschooling – unterrichtet werden. Sexuelle Aufklärung sowie die Evolutionstheorie sollen in diesem Zusammenhang am besten nirgendwo im selbst erstellten Lehrplan auftauchen. Die Schulpflicht in …

Mehr lesen